Um die Vorgänge beim Lösen verstehen zu können, müssen wir uns noch einmal ein Wasser-Molekül näher betrachten.
Den Bau (die Struktur) eines Wassermoleküls haben wir uns schon einmal erarbeitet.

Beim Lösevorgang werden die Seiten der Wassermoleküle mit der positiven Partialladung von den Anionen, also im Falle des Natriumchlorids von den Chlorid-Ionen, angezogen. Die Seite eines Wassermoleküls mit der negativen Partialladung wird von den Kationen, also im Falle des Natriumchlorids von den Natrium-Ionen, angezogen.

Modell:

loesevorgang-wasser-salz
Die Anziehungskraft eines Wassermoleküls reicht nicht aus, um ein Ion aus dem Kristallverband heraus zu brechen. Da sich jedoch stets mehrere Wasser-Moleküle an einem Ion anlagern - besonders an den Ecken des Kristalls - , summiert sich die Anziehungskraft. Schließlich werden die Ionen aus dem Kristallgitter heraus gebrochenen. Dieses "Herausbrechen" benötigt Energie, die als Wärmeenergie dem Lösemittel entzogen wird.

Danach werden die Ionen von den Wassermolekülen umhüllt. Diesen Prozess nennt man allgemein Solvatation. Im Falle des Lösemittels Wasser spricht man von  Hydration oder Hydratation. Hierbei wird Energie frei, die so genannte Hydrationsenergie (oder auch: Hydratationsenergie). 

list star Der Begriff ist leicht mit Hydratisierung zu verwechseln; vor allem, weil in der englischen Sprache kein Unterschied zwischen Hydratation und Hydratisierung gemacht wird. 


Hydratisierte Ionen:

Nun sind die Ionen durch Wassermoleküle "geschützt". Diese "Hülle" nennt man auch Hydrathülle. Es wirken nach außen nur noch die schwachen Teilladungen der Wassermoleküle. Diese schwachen Anziehungskräfte, die nun nach außen wirken, reichen nicht aus, als dass sich die entgegengesetzt geladenen Ionen wieder anziehen können. Die Ionen "schwimmen" nun also frei beweglich im Wasser rum und können sich verteilen. Da die Ionen selbst so winzig klein sind, können wir sie nicht sehen. Nach dem Lösevorgang des Salzes ist das Salz für uns im Wasser nicht mehr sichtbar.

Modell:

hydrathuelle-chloridhydrathuelle-natriumion  

Modell in Formelschreibweise:

Natriumchlorid-Hydrathuellen-cl Natriumchlorid-Hydrathuellen-Na

Natriumchlorid-Hydrathuellen-cl-m

 

Würde man nun solch eine Salzlösung eindampfen oder verdunsten lassen, so gehen die Wassermoleküle in den gasförmigen Zustand über, die Hydrathüllen fallen weg und die Ionen können sich wieder anziehen und ein Ionengitter bilden. Nach dem Verdampfen des Wassers sehen wir wieder das Salz.

Durch das Eindampfen von gesättigten Salzlösungen wurde früher in den Salzsiedereien aus den Solequellen das Speisesalz gewonnen. In südlichen Ländern wird durch Verdunsten von Meerwasser heute noch Speisesalz nach diesem Prinzip gewonnen:

Saline-Sizilien-k

 

 

 

Man kann den Lösevorgang von Natriumchlorid in Wasser mit folgendem "Reaktionsschema" beschreiben:

dissoziation-kochsalz

aqua = lat. Wasser

(aq) = Hydrathülle

(Beachte aber, dass hierbei keine neuen Stoffe entstehen. Der Begriff "Reaktionsschema" ist hier irreführend.)

 

 

Das Trennen der Ionen aus dem Ionengitter nennt man auch Dissoziation. Man sagt: Das Salz dissoziiert im Wasser.

Fotolia 29816769 SS-idee-kleinSiehe dir auch an, warum sich bestimmte Stoffe nicht in Wasser lösen können.