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 Fäulnis und Verwesung

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"Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen. Der Körper, einst die Hülle des Lebens, macht nun die letzte Metamorphose durch. Er beginnt sich selbst zu verdauen. Die Zellen lösen sich von innen nach außen auf. Das Gewebe wird erst flüssig, dann gasförmig.
Kaum ist das Leben aus dem Körper gewichen, wird er zu einem gigantischen Festschmaus für andere Organismen. Zuerst für Bakterien, dann für Insekten. Fliegen. Aus den gelegten Eiern schlüpfen Larven, die sich an der nahrreichen Substanz laben und dann abwandern. Sie verlassen die Leiche in Reih und Glied und folgen einander in einer ordentlichen Linie, die sich immer nach Süden bewegt. Manchmal nach Südosten oder Südwesten, aber niemals nach Norden. Niemand weiß, warum."

 

Aus: Simon Beckett, die Chemie des Todes, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2007, S. 7

 

 

Ein Organismus zerfällt innerlich, bei Abwesenheit von Sauerstoff, durch Fäulnisprozesse, äußerlich bei Anwesenheit von Sauerstoff durch Verwesungsprozesse.

Bestimmung des Todeszeitpunktes

am .

Folgende Angaben sind von vielen Faktoren zum Teil erheblich abhängig (Körpergewicht, Außentemperatur, Alkoholkonsum etc.): [1]

Nach 30 - 60 Minuten

sind die ersten Totenflecke zu sehen, da die roten Blutkörperchen nach unten sinken und die Haut entsprechend verfärben.

Pro Stunde

fällt die Körpertemperatur um ca.  1 Grad Celsius, da der Körper ohne Stoffwechselprozesse keine Wärme mehr produziert.

Nach drei Stunden

beginnt die Leichenstarre in den Gesichtsmuskeln und den Muskeln der Augenlider, breitet sich auf Arme und Beine aus. Nach ungefär zwölf Stunden tritt die Leichenstarre am ganzen Körper auf, nach 36 Stunden kehrt sich der Prozess um.

Hervorgerufen wird die Starre durch die Bindung von Myosin an den Aktinfasern [2].

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[1] Die Leiche im Kreuzverhör, Colin Evans, Birkhäuser Verlag 1998, S. 181

[2] Totenstarre, Wikipedia; abgerufen am 8.4.12

Fäulnis

am .

Unter Fäulnis versteht man die Zersetzung eines biologischen Objektes unter Luftabschluss. Bei einer Leiche beginnt das Faulen im Darm, da dort viele Bakterien sind und das Gewebe dort weich, freucht und warm ist. Diese Bakterien bauen organische Körpersubstanzen ab, wobei vor allem die Gase Schwefelwasserstoff (H2S), Ammoniak (NH3), Kohlenstoffdioxid (CO2), Wasserstoff (H2) und Methan (CH4) entstehen. 

"Das erste sichtbare Anzeichen für die eingetretene Fäulnis ist, dass die Haut am rechten Unterbauch sich gelbgrün verfärbt. Dann bläht sich der Bauch auf, Weichteile werden aufgedunsen, an der Haut können Fäulnisblasen entstehen." [1]

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Verwesung

am .

Unter Verwesung versteht man die Zersetzung von biologischen Objekten, die in Anwesenheit von Sauerstoff stattfindet. Verantwortlich für die Verwesung sind Bakterien und Pilze, deren Enzyme biologisches Material in kleinere Einheiten zerlegen. Diese kleineren Moleküle werden dann unter Energiegewinnung vollständig zu Wasser, Kohlenstoffdioxid, Harnstoff und Phosphat oxidiert. 

Die Verwesung erfolgt schneller als die Fäulnis. 

"Ein an der Luft liegender toter Körper verwest etwa doppelt so schnell wie eine im Wasser liegende Leiche und viermal so schnell wie eine begrabene. Eine Wasserleiche bildet nach einiger Zeit durch chemische Reaktionen eine seifenartige Substanz aus, die die Körperform erhält und den Körper langsamer verwesen lässt. Dieses Phänomen einer sogenannten Wachsleiche ist auf einigen in feuchten Gebieten angesiedelten Friedhöfen zu einem echten Problem geworden, da die Verwesungszeit die vorgesehene Ruhezeit von ca. 30 Jahren zum Teil deutlich überschreitet." [1]


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